Wer zuerst Islam sagt, hat gewonnen!


…möchte man meinen, wenn man sich den interessanten Beitrag auf Ufuq.de durchliest:

Mit der Islam- ist es ein wenig wie mit der Israelkritik: Obwohl alle Welt – und dazu gehören natürlich auch deutsche Medien – beständig Israel für seine Besatzungspolitik kritisiert, besteht bei Vielen so eine Art „Bauchgefühl“, dass dies eigentlich doch nur ausnahmsweise geschehe und man für kritische Bemerkungen über israelische Politik schon allen Mut zusammen nehmen müsse. Beifall bekommt dementsprechend regelmäßig derjenige, der sich vor nach dem Motto „Man wird ja wohl noch…“ als Tabubrecher inszeniert: „Endlich traut sich mal jemand“, heißt es dann aus Volkes Mund, „das zu sagen, was doch alle denken“.

Interessant, wie sehr sich die Strukturen doch ähnlich sind. Plötzlich mutieren alle zu Islamexperten und es bilden sich wahrhaft wahnwitzige Querfronten zwischen Rechten und Linken. Dazu gesellt sich auch noch die tabu-brecherische Attitüde.

Auch Susanne Bressan geht in ihrem lesenwerten Beitrag Was Israelkritik und Islamkritik gemeinsam haben auf einen charakteristische Gemeinsamkeit ein:

Ebenso wie bei „israelkritischen“ lohnt es sich bei „islamkritischen“ Argumenten, nicht nur genau auf den Kontext zu horchen, sondern auch die Verhältnismäßigkeit der Kritik zu beachten. Während Kritik an Israel oft einhergeht mit der Wahrnehmung, der jüdische Staat sei der Haupt- oder gar einzige Verantwortliche für Gewalt im Nahen Osten[20], werden aus europäisch-christlicher „islamkritischer“ Perspektive religiöser Fanatismus, Anti-Säkularismus, anti-demokratische Einstellungen, Diskriminierung von Frauen, Fehdemord und „Illegalität“ zum Monopol muslimischer Gesellschaften und Migranten. Dass all diese Erscheinungen fester Bestandteil auch europäischer Gesellschaften sind, gerät dabei aus dem Blickfeld. Allenfalls rekurrieren Vergleiche mit Europa auf die lang zurückliegende Geschichte der Kreuzzüge, Hexenverfolgungen und Glaubenskämpfe, selten aber auf die Gegenwart [21]. Freilich gibt es in der europäischen Gegenwart einen Unterschied zu den meisten „islamischen“ Staaten: Werte wie Gleichberechtigung, Religionsfreiheit, Trennung von Kirche und Staat sowie Menschenrechte sind in den Staaten der Europäischen Union größtenteils verfassungsrechtlich verankert. Damit besteht theoretisch die Möglichkeit, diese Werte auf institutionellem Wege einzuklagen. Wie wichtig dieser Unterschied ist, darf keinesfalls unterschätzt werden. Es gibt jedoch eine Kluft zwischen Anspruch und Praxis, nicht zuletzt deshalb, weil einer beträchtlichen Zahl von Menschen in Europa ein rechtlicher Status und damit die Einforderung von Rechten vorenthalten werden.

Zu empfehlen auch der Beitrag Das Leben der Anderen von Naika Foroutan.

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