Anthropologische Wende für den Islam


“Mit Blick auf die arabischen Verfassungsdiskurse herrschte Konsens unter den Kollegen: keine Islamisierung der säkularen Verfassung; die Scharia ist im theologischen Wortsinne als islamische Normen- und Methodenlehre zu sehen; das Recht bedarf der Reformulierung gemäß demokratischer, zivilgesellschaftlicher und rechtsstaatlicher Standards. Der Diskurs des Korans um Mensch, Welt und Gott hat zunächst eine kulturgeschichtliche Sollbruchstelle: Heilige Schriften verraten, wie zur Zeit ihrer Entstehung und andernorts Religion und Gesetz verhandelt wurden. Aber der Koran gründet in einer dritten Domäne, die zwischen der religiösen und der säkularen liegt: den nicht verhandelbaren menschlichen Normen des sittlich Guten. Hier entfaltet sich die zeitlose Dimension des Korans. Historisch gesehen ist er sowohl Ergebnis als auch Startpunkt von Theologie.

Damit ist eine anthropologische Wende in der islamischen Theologie eingeleitet, die nicht als Abkehr von den religiösen Traditionen des Islams, sondern als Verschiebung des Reglers zu verstehen ist: weniger Traditionalismus, mehr Blick für die Situationen, in denen Menschen leben, weniger Hörigkeit gegenüber dem Kollektiv, Stärkung des Individuums, weg vom Islam als partikularem System und hin zum Islam als Ressource, die das Leben bereichert.

weniger Traditionalismus, mehr Blick für die Situationen, in denen Menschen leben, weniger Hörigkeit gegenüber dem Kollektiv, Stärkung des Individuums, weg vom Islam als partikularem System und hin zum Islam als Ressource, die das Leben bereichert.”

 

Prof. Harry Harun Behr, Wendezeit für den Islam, SZ, 29.01.2016

Ama’sız Fakat’sız: Akademisyenler Bildirisi


Yorum Noktası

barış-için-akademisyenler

10.01.2016 tarihinde Barış İçin Akademisyenler İnisiyatifi’nin “Bu suça ortak olmayacağız.” başlığıyla Ankara’da bir basın açıklaması yapmaları ile başlayan süreç ile alakalı birkaç kelime söyleme ihtiyacı duyduk. Akademisyenlerin bildirisinin akabinde Cumhurbaşkanı Erdoğan’ın yaptığı açıklamaları takiben Yüksek Öğretim Kurulu internet sitesi üzerinden  “…Teröre destek veren bu bildiri, akademik özgürlük ile bağdaştırılamaz… Bu bildiri ile ilgili olarak hukuk çerçevesinde gereği yapılacaktır. Rektörlerimiz ve Üniversitelerarası Kurul ile bu konuyu görüşmek üzere toplanacağız. ” şeklinde birbasın açıklamasıyaptı. Üniversiteler, YÖK ve Cumhuriyet Savcılıkları harekete geçerek söz konusu akademisyenler hakkında idari ve adli soruşturmalar başlattılar. Halen devam etmekte olan süreç içinde de söz konusu bildiride imza sahibi akademisyenlerin bir bölümünün üniversiteleri ile ilişiği kesildi, evlerinde aramalar yapıldı; akademisyenler hakkında ünlü TCK m.301 ve TMK m.7 (terör örgütü propagandası yapmak) uyarınca soruşturmalar başlatıldı ve hatta odalarının kapılarına asılan tehdit içerikli yazılarla ve bazı radikal kesimler tarafından alenen hedef gösterildiler. Bildiriyi imzalamayan 611 akademisyen fikir ve…

Ursprünglichen Post anzeigen noch 1.204 Wörter

Report: Rule of Law in Turkey declining!


The establishment of the rule of law in Turkey, which historically lacks the intellectual and institutional foundations required, depends on the continued presence of a genuine and strong political will to this end. As this study shows, Turkey’s current performance in terms of the rule of law is very poor. However, due to the weak historical roots mentioned above, it would be wrong to single out the AKP government as the only actor responsible. Nevertheless, this does not change the fact that this government not only reneged on its initial promise of contributing to the establishment of the rule of law, but also actively tried to reverse the steps taken in this direction.

Report: Rule of Law in Turkey declining! (Prof. Dr. Mustafa Erdogan – Liberal Perspectiv Report) (pdf)

Keine Repression für die Akademiker des Friedensaufrufes in der Türkei


Für eine friedliche Lösung des kurdischen Konflikts – keine Repression für die Akademikerinnen und Akademiker des Friedensaufrufs in der Türkei

Wir, Akademikerinnen und Akademiker an deutschen Universitäten und Hochschulen, sind erschrocken über die Entwicklungen in der Türkei, die bereits zahlreichen Zivilisten das Leben gekostet hat und kurdische Städte ähnlich wie in Syrien verwüstet.

Wir unterstützen den Aufruf “Akademiker für den Frieden” unserer Kolleginnen und Kollegen, in dem diese die türkische Regierung auffordern, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren und eine friedliche Lösung des Konflikts anzustreben.

Gleichzeitig erklären wir uns solidarisch mit den 1.128 Unterzeichnern von “Akademiker für den Frieden”, dem sich bereits weltbekannte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Judith Butler und Noam Chomsky angeschlossen haben. Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in der Türkei wurden von Präsident Erdoğan zu “Vaterlandsverrätern” erklärt und vom dortigen Hochschulrat (YÖK) zum Rücktritt aufgefordert. Die Justizbehörden haben bereits strafrechtliche Verfolgung aufgenommen, und die ersten Kolleginnen und Kollegen wurden entlassen.

Auch Sedat Peker – der über ein breites nationalistisches und kriminelles Netzwerk verfügt und wegen unterschiedlicher Delikte und der Bildung einer kriminellen Vereinigung bereits vor Jahren in der Türkei verurteilt wurde – ist heute wieder hoffähig. Er kann unbeschadet und folgenlos in der Öffentlichkeit drohen, dass er “ihr Blut literweise fliessen” lassen werde, um “darin zu baden”. Dass die türkischen Behörden gegen solche Einschüchterungen und Drohungen der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht vorgehen, ist unfassbar.

Es ist die Aufgabe von Wissenschaft, sich für ein friedliches Zusammenleben einzusetzen und Friedenslösungen aufzuzeigen. Wissenschaft dient auch zur Völkerverständigung. Solange der Krieg gegen das kurdische Volk anhält, die Opposition dagegen mundtot gemacht wird, die Medien eingeschüchtert und die Repressionen gegenüber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhalten, wird uns – die wir auf die Freiheit von Forschung und Lehre verpflichtet sind – eine Zusammenarbeit mit den Universitäten in der Türkei unmöglich gemacht.

Wir fordern insbesondere auch die Vertreter der Bundesregierung und der Europäischen Union auf, sich bei jeder Gelegenheit für eine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts einzusetzen, sich gegen Repressionen klar zu positionieren und für die Freiheit des wissenschaftlichen Denkens und der politischen Opposition einzusetzen, wenn sie sich auch weiterhin der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Europäischen Menschenrechtskonvention verpflichtet sehen.

Unterstützen Sie die Kolleginnen und Kollegen in der Türkei! Helfen Sie durch Ihre Unterschrift, den Aufruf mit zu verbreiten!

Prof. Dr. Christine Huth-Hildebrandt Prof. Dr. Gazi Çağlar

Für mehr Informationen:  “Festnahmen nach Friedensaufruf: Erdogan hetzt Wissenschaftlern Polizei auf den Hals” (Spiegel)

Zur Petition.

Said-i Nursî ve Nurculuk tartışmaları


(Seçki)

2016

2015

2014

2013

2012

2010

2005

2004

2000

Was würde Jesus heute raten


“Was würde Jesus heute raten?

Ihr müsst Euren eigenen Weg finden, den kann ich Euch nicht abnehmen. Ihr habt eine bestimmte Grundorientierung, aber wie genau Ihr die umsetzt – also Menschlichkeit, Humanität, Frieden – das werde ich Euch nicht sagen. Es gibt eine schöne Unterscheidung, die Immanuel Kant getroffen hat, der auch Protestant war: Nachfolge ist nicht Nachahmung. Nachahmung würde bedeuten, wir machen genau dasselbe, was Jesus gemacht hat. Nachfolge heißt, jeweils in der eigenen Zeit am eigenen Ort die Verantwortung zu übernehmen.”

“Wo es um den Nächsten geht, hast Du zu helfen”. Ein Gespräch mit dem Theologen und Ethiker Klaus Tanner über Flüchtlinge und das wichtigste christliche Gebot, 24.12.2015, Rhein-Neckar-Zeitung

Wie verträgt sich das aufgeklärte ethische Konzept des Westens mit kultureller Toleranz und Vielfalt?


Von Prof. Dr. Peter Strasser (Univ. Graz)

“1. Der Universalitätsanspruch unserer Moral. – Man spricht oft von „religiöser“ oder „kultureller Moral“. Damit sind Sondermoralen ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit gemeint. Daneben gibt es von alters her und, im Westen, besonders seit der Aufklärung einen Begriff der Moral, der folgende Charakteristika aufweist: Moralische Prinzipien und Urteile erheben einen Allgemeinheitsanspruch. Sie gelten für alle Menschen unter vergleichbaren Bedingungen. Abgesehen von der religiösen Moral, die einen schwierigen Sonderfall bildet, haben moralische Prinzipien und Urteile im normativen Diskurs das größte Gewicht. Sie können zwar kulturell tradierte und rechtliche Normen nicht ohne Weiteres außerKraft setzen, aber sie dienen der Rechtfertigung und Kritik als oberster Bewertungsmaßstab.

Für einen Aufklärer wie Kant war jeder Mensch, als moralisch urteilendes Vernunftwesen, ein Vertreter der ganzen Menschheit. Die Gleichheit aller Menschen ergab sich für Kant daraus, dass alle Menschen als Vernunftwesen in der Lage seien, die richtigen moralischen Prinzipien zu erkennen. Alle Menschen hätten daher die gleiche Würde, insofern sie als moralische Subjekte gedacht würden. Eine Formulierung des sogenannten kategorischen Imperativs lautet: Jeder Mensch muss als Selbstzweck geachtet, kein Mensch darf bloß als Mittel zum Zweck gebraucht, das heißt jenseits ethischer Bedenken in den Dienst der eigensüchtigen Interessen anderer gestellt werden. Im Wesentlichen spiegelt sich darin unsere eigene Auffassung von Moral wider. Sie setzt den Glauben daran voraus, dass wir für unsere moralischen Überzeugungen gute Gründe haben, die auch alle anderen, welche verstehen, worum es geht, als gute Gründe akzeptieren können sollten.

Frage: Wie verträgt sich dieses aufgeklärte ethische Konzept mit dem Grundsatz kultureller Toleranz, zumal in seiner aktiven Version: der Wünschbarkeit und Förderungswürdigkeit kultureller Vielfalt?

…..”

Ist hier der Westen?, Peter Strasser, 08.01.2016, Die Presse