Zerredungsroutine


Ich bin nicht sehr optimistisch. Ein Blick auf Publikationen und (virtuellen) Bleiwüsten der letzten Jahre im Bereich der „Islamischen Theologie“ macht mir Frust, oder das was man für Theologie hält. Immer häufiger muss ich Texte lesen, die sehr allgemein formuliert und in ihrer Form aus Versatzstücken bestehen. Meist sind das collagierte Texte zu bestimmten Themen, die immer wieder Gegenstand von Sammelbänden sind. Eine gehörige Schreibroutine, in der die gleichen Texte immer und immer verwertet und meist unter geänderten Überschriften zum Konsum geboten werden. Leider ist der daraus entstehende Effekt für die Leser der gleiche: Das habe ich doch schon irgendwo gelesen.

Nun ist das nichts neues. Das ist die akademische Publikationsroutine, in der neben der harten Grundlagenforschung auch die Karriereförderung eine Rolle spielt. Je mehr man Bücher und Texte vorweisen kann, und sei es nur Schnipsel, desto größer sind die Chancen Stellen zu bekommen. Aber ich beobachte es vermehrt im Bereich der zu entstehenden Lehrstühle. Die Politik und die gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit dafür wecken Hoffnungen und Erwartungen, die leider oft auch ausserwissenschaftlich motiviert sind und keinen guten Einfluss auf die Entwicklung des akademischen Islam haben. Die Ergüsse mancher Autoren sind daher nur auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse ausgerichtet und in ihrer Wirkung oft flach, trivial und nicht originell.

Der psychologische Effekt ergibt sich für die Akteure selbst. Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass eine diskursive Zerredungsroutine etabliert wird, die dann in einem wissenschaftlichen(!) Milieu nur auf Disktinktionsgewinn aus ist. Das merkt man schon daran, in dem die Sprache immer flacher und der Erkenntnisgewinn geringer wird.  Mit einer gewissen Frust stelle ich fest, das seit langem schon muslimische Wissenschaftler oder Theologen in einen merkwürdigen Szene-Sprech verfallen, der von der politischen Erwartung der Landesregierungen und dem näheren Umfeld  beeinflusst wird und folglich nur Textbausteine und Sprechblasen produziert.

Der Sorgestreit um die Muslime


Lesenswert. Die Antwort von Murat Kayman (→ Eine kritische Debatte?, 14.07.2016) auf den Beitrag von Ahmad Mansour (→ Wir sind nicht eure Kuscheltiere, taz, 09.07.2016)

Sources: Islamic State, ISIS, Salafism, Jihadism


 

For further sources, links and information (→ Kontaktformular)

Resources:

Reports:

2016 Weiterlesen

Von Beobachtern und Handelnden: Meinungsgulasch zur Moderne


 

Im Kulturradio (RBB) gab es gestern einen hörenswerten Perspektiven Beitrag mit dem Soziologen Armin Nassehi. Thema war das Das Ende der politischen Gewissheiten. Wie der Soziologe Armin Nassehi die Gesellschaft beschreibt. 

In dem Beitrag kommt auch eine Debatte zur Sprache, die in DER ZEIT geführt wurde. Ein Apéritif aus diesem Streit:

„Und weil die Systemtheorie die Nöte der Menschen für irrelevant erklärt und von keinem Anliegen und keiner Idee angetrieben wird, wohin es gesellschaftlich gehen soll, zielt sie auf keine andere Erkenntnis als darauf, andere sozialwissenschaftliche Ansätze als irregeleitet, idealistisch und rückständig zu demaskieren. (…) Es ist bedauerlich, dass sich so viele Studierende der Sozialwissenschaften so lange von Luhmanns Theoriegebäude haben blenden lassen – einer Theorie, die sich, jedenfalls unter den Händen der Nachlassverwalter, zu oft in Selbstbezüglichkeit und leerem Überlegenheitsgestus erschöpft.“ (Hartmut Rosa) Weiterlesen

Hadiye Ünsal: Sömürge topraklarında doğan mezhep: Kadiyanilik


 

Daha önce kısa haliyle haber10.com da yayınladı.

Söyleşinin tamamı:

Osmanlı İmparatorluğu’nun dağılmasıyla İslam coğrafyasının içine düştüğü siyasi kaos ve modernite karşısındaki kimlik bunalımı, yeni sorunlara yol açtı. Batılı sosyal bilimlerin, batı dışı toplumları açıklarken kullandığı teoriler bilimsellikten çok, politik- ekonomik yönüyle ön plana çıkıyor. Bu durum, entelektüelleri ve akademisyenleri İslam toplumunun sorunlarını tespit etmek ve çözüm sunmak için kendi kaynaklarına yöneltiyor.

Türkiye’de son yıllarda İslam Medeniyeti Tarihi, İslam bilgi Felsefesi ve Sosyolojisi gibi araştırma ve inceleme konularında artış gözleniyor. Bu alanlarda zengin bir külliyat oluşuyor. Çukurova Üniversitesi İlahiyat Fakültesi Tefsir Ana Bilim Dalı Öğretim Üyesi Yrd. Doç. Dr. Hadiye Ünsal’la uzun yıllar İngiltere sömürgesi olarak yaşamış Hindistan’da, hala etkisi ve müntesibi bulunan Kadiyanilik mezhebi üzerine konuştuk.

1. Hadiye Hanım, söyleşimize başlarken kısaca sizi tanıyabilir miyiz? Weiterlesen

AKP: Von der Staatskritik zur Staatspartei


Der neue türkische Premierminister Binali Yıldırım hat heute sein neues Kabinett vorgestellt.

Da muss ich sofort an die Anfänge von Recep T. Erdoğan, der AKP und ihrem kulturellen und intellektuellen Backround denken. Die AKP kommt von einer Tradition, die es sich immer zur Aufgabe gemacht hat Atatürks Ein-Mann-Regime und seine Diktatur zu kritisieren, zumindest haben sie so getan. Das war ihr Identitätsmerkmal schlechthin. Die ganzen Journale und Zeitungen der damaligen Zeit sind voll von Pamphleten, Artikeln und Essays, die den Kemalismus und seine minderheitenfeindliche, a- bis anti- religiöse Politik kritisierten. Da wurden Bücher wurden geschrieben und Filme gedreht, die den Eindruck erweckten, das wir es mit Krypto-Anarchisten und Staatskritikern zu tun hätten und nicht mit islamischen Denkern und Politikern. Die ganze Literatur der Mainstream-Islamisten der 90er Jahre ist voll von Verweisen auf die Kritische Theorie, Postmoderne und Kapitalismuskritik. Diese Akademiker und Denker sind heute jetzt zum großen Teil gute Parteisoldaten geworden, die das jetzt umsetzen, was sie vorher so verabscheut haben. Jetzt sind sie selbst zu dem geworden, was sie kritisiert haben. Seelen- und charakterlose Apparatschiks ohne Rückgrad.

Seeking the Roots of Terrorism: An Islamic Traditional Perspective


 

Journal of Religion and Popular Culture
Volume 10: Summer 2005

Mbaye Lo
Cleveland State University
Kent State University

https://web.archive.org/web/20121010134123/http://www.usask.ca/relst/jrpc/art10-rootsofterrorism.html

Abstract

This article analyzes the associational relationship between Islam and terrorism as embedded in the current popular culture. Two questions are examined: (a) whether from a historical and political perspective current organizations that are terror threats and Bin Laden are natural outgrowths of the Islamic tradition; (b) whether the Muslim popular tradition has historically interpreted some Qur’anic terms such as Jihad and Kuffar „allegedly infidels“ to promote hate and violence against non-Muslims. In view of this discussion, the article suggests that the current terror treats is due to the politicization of the Muslim faith, rather than rooted in Islamic teachings. Weiterlesen