Ich bin nicht sehr optimistisch. Ein Blick auf Publikationen und (virtuellen) Bleiwüsten der letzten Jahre im Bereich der „Islamischen Theologie“ macht mir Frust, oder das was man für Theologie hält. Immer häufiger muss ich Texte lesen, die sehr allgemein formuliert und in ihrer Form aus Versatzstücken bestehen. Meist sind das collagierte Texte zu bestimmten Themen, die immer wieder Gegenstand von Sammelbänden sind. Eine gehörige Schreibroutine, in der die gleichen Texte immer und immer verwertet und meist unter geänderten Überschriften zum Konsum geboten werden. Leider ist der daraus entstehende Effekt für die Leser der gleiche: Das habe ich doch schon irgendwo gelesen.

Nun ist das nichts neues. Das ist die akademische Publikationsroutine, in der neben der harten Grundlagenforschung auch die Karriereförderung eine Rolle spielt. Je mehr man Bücher und Texte vorweisen kann, und sei es nur Schnipsel, desto größer sind die Chancen Stellen zu bekommen. Aber ich beobachte es vermehrt im Bereich der zu entstehenden Lehrstühle. Die Politik und die gesamtgesellschaftliche Aufmerksamkeit dafür wecken Hoffnungen und Erwartungen, die leider oft auch ausserwissenschaftlich motiviert sind und keinen guten Einfluss auf die Entwicklung des akademischen Islam haben. Die Ergüsse mancher Autoren sind daher nur auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse ausgerichtet und in ihrer Wirkung oft flach, trivial und nicht originell.

Der psychologische Effekt ergibt sich für die Akteure selbst. Bei mir verstärkt sich der Eindruck, dass eine diskursive Zerredungsroutine etabliert wird, die dann in einem wissenschaftlichen(!) Milieu nur auf Disktinktionsgewinn aus ist. Das merkt man schon daran, in dem die Sprache immer flacher und der Erkenntnisgewinn geringer wird.  Mit einer gewissen Frust stelle ich fest, das seit langem schon muslimische Wissenschaftler oder Theologen in einen merkwürdigen Szene-Sprech verfallen, der von der politischen Erwartung der Landesregierungen und dem näheren Umfeld  beeinflusst wird und folglich nur Textbausteine und Sprechblasen produziert.