AKP: Von der Staatskritik zur Staatspartei


Der neue türkische Premierminister Binali Yıldırım hat heute sein neues Kabinett vorgestellt.

Da muss ich sofort an die Anfänge von Recep T. Erdoğan, der AKP und ihrem kulturellen und intellektuellen Backround denken. Die AKP kommt von einer Tradition, die es sich immer zur Aufgabe gemacht hat Atatürks Ein-Mann-Regime und seine Diktatur zu kritisieren, zumindest haben sie so getan. Das war ihr Identitätsmerkmal schlechthin. Die ganzen Journale und Zeitungen der damaligen Zeit sind voll von Pamphleten, Artikeln und Essays, die den Kemalismus und seine minderheitenfeindliche, a- bis anti- religiöse Politik kritisierten. Da wurden Bücher wurden geschrieben und Filme gedreht, die den Eindruck erweckten, das wir es mit Krypto-Anarchisten und Staatskritikern zu tun hätten und nicht mit islamischen Denkern und Politikern. Die ganze Literatur der Mainstream-Islamisten der 90er Jahre ist voll von Verweisen auf die Kritische Theorie, Postmoderne und Kapitalismuskritik. Diese Akademiker und Denker sind heute jetzt zum großen Teil gute Parteisoldaten geworden, die das jetzt umsetzen, was sie vorher so verabscheut haben. Jetzt sind sie selbst zu dem geworden, was sie kritisiert haben. Seelen- und charakterlose Apparatschiks ohne Rückgrad.

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