Wer zuerst Carl Schmitt sagt, hat gewonnen. Zur Islamischen Zeitung im Deutschlandfunk


Ich muss sagen, das ich den Deutschlandfunk Beitrag vom 24.06.2015 zur Islamische Zeitung ziemlich schwach fand. Aus folgenden Gründen:

Er enthält nichts, was nicht auch schon vor Jahre gesendet wurde, denn auch bei der Islamischen Zeitung samt religiös/ideologischem Anhang sollte man Gründlichkeit walten lassen und die Kritik tiefer fassen als nur der Versuchung nachzugeben, auf die negative Aura von Begriffe wie Carl Schmitt, Heidegger und Antikapitalismus zu hoffen, in deren Fahrwasser alles mögliche assoziiert werden kann.

Bei der Lektüre der IZ habe ich durchaus so manche argumentative Verschränkung mit Heidegger oder Schmitt nicht nachvollziehen können. Es wundert mich, das die durchaus vorhandenen offenen Flanken der Zeitung in den kritischen Berichterstattung zur IZ nicht auftauchen. Das würde aber Lektüre voraussetzen und die daraus ersichtliche inhaltliche Entwicklung dieses Medium, die sich nicht nur auf problematische Aussagen und Argumentationen ihrer Autoren reduzieren lässt. An Arsenal der qualitativen Methoden fehlt es nicht, von der Ideologiekritik bis zur Diskursanalyse ist alles gegeben, die aber einige Kritiker ihrer Lesefaulheit opfern.

Ob jetzt Goethe ein Muslim war oder der Goldstandard eingeführt werden soll, kann man schräg finden, aber sie lassen sich doch kritisch hinterfragen und sind diskussionswürdig, müssen aber nicht zwingend Elemente einer gefährlichen Nomenklatura sein. Ich selbst halte auch nichts davon, aber sogar ich verstehe, das in der heutigen Zeit, in der die kapitalistische Krisenverwaltung nichts als verbrannte Erde hinterlässt, alles diskutiert werden kann und nicht die merkwürdige Marotte einer randständigen Erscheinung ist.

Der Verweiß auf den religiösen Resonanzbereich der IZ oder die Vermutung einer neurechten Schlagseite kann sich durchaus ergiebig für eine Kritik zeigen, wenn es denn inhaltlich mit der gebührenden Sachlichkeit gemacht wird, welches leider der schlechten Tradition weicht, Techniken des Verfassungsschutzes ins Vorfeld der politischen Diskussion zu bringen.

Grundsätzlich sind Tatsachenbehauptungen zu belegen, wofür so ein kurzer Radiobeitrag völlig unzureichend ist. Ich hätte mir gewünscht, die Entwicklung der IZ würde kritisch gewürdigt werden mitsamt ihrer Höhen und Tiefen. Auch ist es sehr schwach, das Aussagen von Burhan Kesici verkürzt oder entstellt dargestellt wurden, worauf er selbst hingewiesen hat.

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