One thought on “Qur’an recitation from Mecca 1885

  1. Interessant! Leider gibt es jedoch keine Tonaufzeichnungen von noch früher. Auch der Orientalist und Koranforscher Gotthelf Bergsträsser (1886–1933) hat einige alte Tonaufnahmen mit Koranrezitation, jedoch nicht so alt wie diese.
    Wer sich eingehend mit den verschiedenen Koranlesarten und den mit der Rezitation zusammenhängenden Wissenszweigen beschäftigt, kann sich ein Bild davon machen, wie selbst kleinste Einzelheiten und an einigen Stellen Besonderheiten in der Aussprache genauestens und getreu von Generation zu Generation mündlich bis heute weitergegeben worden sind, was wohl in keiner anderen Kultur so ausgeprägt in dieser Form zu finden ist. Im Lateinischen bspw. ging dessen klassische Aussprache im Mittelalter verloren, und erst heutige Latinisten haben sie weitestgehend restituiert, doch nur wenige von ihnen beherrschen sie auch. Dagegen finden wir weltweit hunderttausende von Muslimen, die den Koran nicht nur auswendig können, sondern die auf die genannte Weise bewahrte ursprüngliche Aussprache anwenden.
    Die Kunst der Koranrezitation hatte in den vergangenen Jahrhunderten einen Niedergang erlebt, und in den meisten östlichen muslimischen Ländern ist heute nur eine einzige der zehn „kanonischen“ Lesarten (qirāʾāt) mit ihren zwanzig Überlieferungen (riwāyāt) verbreitet, nämlich diejenige von ´Asim (ʿĀṣim) in der Überlieferung von Hafs (Ḥafṣ), doch seit einigen Jahrzehnten erlebt sie eine Renaissance und auch das Interesse an den verschiedenen Lesarten hat zugenommen. Die ursprünglich in Mekka verbreitete Lesart war diejenige von Ibn Kathīr mit seinen beiden Überlieferern al-Bazzī und Qunbul, während heute dort – wie überwiegend auf der Welt – und auch auf der wiedergegebenen Aufnahme von 1885 – diejenige von ´Asim (ʿĀṣim) in der Überlieferung von Hafs (Ḥafṣ) rezitiert wird.
    Alle diese zehn Lesarten mit ihren Überlieferungen werden als gleichwertig angesehen, und keine ist „richtiger“ oder „falscher“ als eine andere von ihnen. Jede Bevorzugung ist daher subjektiv oder hat sich auf Grund politischer und anderer Umstände ergeben. Wie ´Abdullāh, der Sohn Ahmad ibn Hanbals von seinem Vater berichtet, bevorzugte dieser die Lesart „der Leute von Medina“, nämlich diejenige von Nāfi´ – „Und wenn diese nicht zur Verfügung steht?“ – „Dann diejenige von ´Asim.“ Die Lesart von Hamza (Ḥamza) hingegen mochte er nicht.

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