Die Chronologie des Korans


Lesewerk Arabisch und Islam

Nach traditioneller islamischer Überzeugung wurde der Koran Mohammed über 23 Jahre in Teilen offenbart. Demzufolge gibt es im Koran frühe und spätere Teile. Schon seit dem 8. Jahrhundert haben Muslime versucht die Chronologie der Offenbarungen festzulegen. Deren Ergebnisse finden Sie z.B. in den Überschriften über jeder Sura. Dort steht zum Beispiel: „Mekkanisch,“ d.h. offenbart, als der Prophet in Mekka weilte, oder „Medinensisch“: offenbart, als der Prophet schon nach Medina emigriert war. Es geht auch genauer: in größeren Koranausgaben steht in der Überschrift auch: „Offenbart nach der Sura so-und-so“.
Warum war es so wichtig, die chronologische Reihenfolge der Koranoffenbarungen festzulegen? Ein Grund war die Überzeugung, dass spätere Verse ältere abschaffen konnten—der technische Terminus ist „abrogieren“ (*nas, naskh). Das hatte Konsequenzen für das islamische Recht.
Ein einfaches Beispiel. Über das Weintrinken stehen vier Verse im Koran:

  • Und (wir geben euch) von den Früchten der Palmen und Weinstöcke (zu trinken), woraus…

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One thought on “Die Chronologie des Korans

  1. Ich persönlich schließe mich Dr. ´Adnan Ibrahims Meinung an, wonach es im Qurʾān überhaupt keine abrogierten Stellen in dem Sinne gibt, daß sie durch andere grundsätzlich aufgehoben sind, sondern allenfalls – in der Definition früher Gelehrter –, daß Abrogation Spezifizierung und Einschränkung bedeutet. Der Qurʾān als Allahs wortwörtlich geoffenbartes Wort ist zu erhaben und vollkommen, als daß Allah es nötig gehabt hätte, darin zunächst Stellen zu offenbaren, die Er dann später wieder abrogiert, in dem Sinne, daß sie in ihrer Bedeutung aufgehoben und ungültig geworden sind.

    Der erste genannte Vers beinhaltet weder ein Verbot noch eine Vorschrift, sondern nur die Aussage, was die Menschen mit berauschendem Getränk tun und verliert daher seine Gültigkeit durch später geoffenbarte Stellen nicht.
    Das im zweiten Vers ausgesprochene Verbot, sich dem Gebet in trunkenem Zustand zu nähern, verliert auch nach dem absoluten Verbot des Genusses von berauschenden Getränken nicht, da es einerseits immer wieder Muslime gibt, die es übertreten und dann betrunken sind – diese sollen sich dann nicht dem Gebet nähern – oder andererseits, da es auch Formen von Trunkenheit gibt, die nicht durch den Genuß berauschender Getränke hervorgerufen werden. Darunter könnte auch ein Zustand extremer seelischer Erregung fallen, der es dem Muslim in dieser Situation unmöglich macht, sich auf sein Gebet zu konzentrieren, so daß es ungültig wäre, wenn er es verrichten würde.
    Die Tatsache, daß Alkoholgenuß auch positive, z. T. sogar gesundheitsfördernde Eigenschaften besitzt, wird von heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen gestützt. Allerdings bleibt auch die Tatsache bestehen, daß er insgesamt gesehen überwiegend schädlich ist, weswegen sein Verbot im Islam durchaus gerechtfertigt ist.

    Der vierte der zitierten Verse mit dem darin ausgesprochenen Verbot des Genusses berauschender Getränke hebt also die ersten drei nicht auf, sondern ergänzt sie und schließt ihre Reihe mit dem absoluten Verbot ab. Darin eine Abrogation im Sinne von Aufhebung der drei ersten zu sehen, ist demnach ein Irrtum und Denkfehler der früheren Gelehrten, der über Jahrhunderte hin weitergegeben und beibehalten wurde.

    „Moderne Gelehrte sind nicht, wie ihre Kollegen von vor hundert Jahren, an Mohammed als Autor des Korans gebunden.“ Auf jeden Fall keine muslimischen Gelehrten, da der Autor des Qurʾāns für jeden Muslim unzweifelhaft Allah, der Eine Gott, selbst ist. Wer eine andere Meinung vertritt, stellt sich damit unweigerlich außerhalb des Islams. Man kann den nichtmuslimischen Koranforschern allenfalls Narrenfreiheit zusprechen, ihre Forschungsergebnisse sind für Muslime jedoch weitgehend unerheblich, da sie ein mehr oder weniger ein blindes Umherirren darstellen. Da der Qurʾān kein gewöhnliches Stück Literatur ist, kann er auch nicht mit hermeneutischen, historischen oder sonstigen derartigen Methoden angegangen werden. Der Qurʾān hat eine andere Entstehung als das Alte und das Neue Testament der Bibel und kann mit diesen nicht verglichen werden. Der Denkfehler der nichtmuslimischen Koranforscher bestand bisher darin, davon auszugehen, daß der Qurʾān gewissermaßen eine Nachahmung oder ein Abklatsch der Bibel sei. Jetzt suchen sie anscheinend nach anderen Quellen, die sie nicht finden können, da es sie nicht gibt.
    Auch die Versuche von Muslimen, die Suren in der Reihenfolge ihrer Offenbarung anzuordnen und den Qurʾān so zu lesen, sind zum Scheitern verurteilt. Die in den frühesten bis heute gültigen Qurʾān-Exemplaren bestehende Anordnung der Suren ist die nachgewiesenerweise vom Autor (Allah) selbst festgelegte. Die Muslime sollten sich nicht dazu verleiten lassen – wie es bspw. der Apostat Nasr Hamid Abu Zaid tat –, den Verirrungen der Nichtmuslime zu folgen.
    Wie gesagt, kein Muslim ist, wer nicht davon überzeugt ist, daß Allah der Eine Gott, der Autor des Qurʾāns ist, was sich allein schon aus der Selbstdefinition des Islams ergibt.

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