Was nicht im Koran steht


Lesewerk Arabisch und Islam

Viele ungebildete1 Muslime behaupten irgendetwas und sagen dann zu Unrecht, dass es so im Koran steht. Ich bekomme auch Fragen, die anfangen mit den Wörtern: „Was sagt der Koran zu ….?“ Oft muss ich antworten, dass der Koran zu dem Thema gar nichts enthält; dann ernte ich ungläubige Blicke. Aber der Koran ist nun mal ein dünnes Buch.

Viele Missverständnisse über den Koran könnte man vermeiden, indem man ihn liest. Das ist aber nicht jedem vergönnt: Er ist ein schwieriger, altarabischer Text. Die entschiedensten Behauptungen über den Inhalt des Korans stammen von Menschen, die ihn nicht oder kaum gelesen haben oder sich nur auf ein paar ausgewählte Verse beschränken.
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Nichts
Zu den folgenden Themen „sagt“ der Koran gar nichts:

Die Scharia. Der Koran enthält eine Anzahl Rechtsregeln, die eine Grundlage der späteren Scharia bilden. Das Wort Scharia (sharī‘a) selbst steht einmal im Koran (K. 45:18), aber nicht in der…

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One thought on “Was nicht im Koran steht

  1. Ein Beispiel dafür, wenn unqualifizierte Autoritäten solche Äußerungen von sich geben:
    Als der verstorbene Naqschbandi-Scheich Nazim al-Qubrusi (al-Haqqani) einmal die BRD und andere europäische Länder besuchte, brachten seine Anhänger einen deutschen Jugendlichen zu ihm. Nach seinem Namen gefragt, antwortete dieser: „Alexander“. Da sagte der Scheich: „Das ist ein guter Name, der kommt im Qurʾān vor.“ Man wird lange im Qurʾān suchen können, ohne den Namen „Alexander“ oder in seiner arabisierten Form „Iskandar“ finden zu können. Der Scheich meinte damit selbstverständlich den „Zweigehörnten“ (Ḏu l-Qarnain), der in der 18. Sure al-Kahf erwähnt wird. Irgendwann einmal kam ein früher Qurʾān-Kommentator darauf, den „Zweigehörnten“, dessen Namen im Qurʾān nicht genannt wird, mit Alexander dem Großen zu identifizieren, da dieser auf antiken Münzen als Jupiter-Ammon mit Widderhörnern dargestellt ist. Die meisten späteren Qurʾān-Kommentatoren haben dann bis heute diese Deutung ungeprüft und unreflektiert übernommen.
    Heute wissen wir jedoch, daß sie falsch ist. Die Beschreibung des „Zweigehörnten“ im Qurʾān als eines gerechten und gottesfürchtigen Menschen paßt keinesfalls zum unmoralischen Götzendiener Alexander dem Großen. Im Qurʾān heißt es, daß der „Zweigehörnte“ umherreiste und bei Sonnenuntergang an eine Quelle von stinkendem schwarzen Schlamm kam. Könnten das die Erdpech- (Erdöl-) Quellen von Baku gewesen sein? Falls ja, Alexander der Große kam auf seinem Eroberungszug nicht dorthin. Was war der Anlaß der Offenbarung dieser Sure, bzw. der Geschichte des „Zweigehörnten“? Die Juden hatten den Propheten – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – nach ihm gefragt. Also mußte er für sie eine besondere Bedeutung haben, die Alexander der Große jedenfalls nicht hat. Vielmehr handelt es sich beim „Zweigehörnten“ höchstwahrscheinlich um den Perserkönig Kyros (Kūroš), der die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft befreite und nach Jerusalem zurückbrachte. Dies wird durch den Traum des Propheten Daniel bekräftigt, in dem er das Perserreich, bestehend aus den beiden Völkern der Perser und Meder, im Traum die beiden Hörner, als einen schönen kräftigen Widder sah, der gegen einen häßlichen Ziegenbock, die Griechen, kämpfte.
    Da die meisten muslimischen Religionsgelehrten jedoch keine Fremdsprachen erlernten, noch die heiligen Schriften der Juden und Christen studierten, sondern sich auf deren ihnen mündlich übermittelte meist erlogene Geschichten (Isrāʾīliyyāt) verließen, scheint ihnen Daniels Traum und der Zusammenhang mit dem „Zweigehörnten“ entgangen zu sein. Es ist ja so bequem, den Verstand einfach wie eine elektrische Lampe auszuschalten und das, was man von seinen Lehrern gehört und in den Büchern früherer Gelehrter gelesen hat, wie ein Papagei nachzuplappern und wie das Rindvieh wiederzukäuen. Genau das haben die meisten späteren muslimischen Gelehrten getan.
    Weniger harmlos als die Deutung der Person des „Zweigehörnten“ ist es, wenn es bei solchen Irrtümern und Fehlern um Leben und Tod geht, wie bei der Frage, ob die Strafe der Steinigung für Ehebruch im Islam durch die im Qurʾān genannten hundert Hiebe aufgehoben und ersetzt ist und nicht mehr weiterbesteht, oder der Frage, ob für den bloßen Abfall vom Islam – ohne Schmähung der Religion und dessen, was den Muslimen heilig ist – die Todesstrafe vorgesehen ist oder überhaupt keine weltliche Strafe.
    Der Astrophysiker Harald Lesch sagt:
    „Es gibt in einer Wissenschaft kaum etwas Interessanteres als zu erkennen, daß Fehler gemacht worden sind, also falsche Ideen lange Zeit einen wissenschaftlichen Betrieb bewegt und in Gang gehalten haben, um hinterher festzustellen, daß es völlig falsch war. Es gibt eherne Gesetze, und dann stellt sich auf einmal heraus, daß sie falsch sind, weil man gar nicht daran gedacht hat, daß es sich um Fehler handeln könnte.“ Das trifft m. E. auch auf einige der islamischen Religionswissenschaften, insbesondere die Ḥadīṯ-Wissenschaften zu. Nur ist es fatal, wenn es sich bei den Fehlern um Regelungen handelt, die Entscheidungen über Leben und Tod von Menschen zur Folge haben. Wenn man im Islam an solchen „ehernen Gesetzen“ rührt, dann ist das jedoch nicht nur interessant, sondern man sieht sich meist geistigem Terror seitens derjenigen ausgesetzt, die meinen, man wolle die Religion als Ganzes niederreißen, und versuchen, diese fehlerhaften Vorstellungen zu verteidigen. Fehlt es ihnen an wirklichen Argumenten, dann drohen sie meist mit der Iǧmāʿ-Keule, indem sie voraussetzen, für die von ihnen verteidigte Meinung bestehe ein Konsens (iǧmāʿ) der Gelehrten, und unter der ebenfalls irrigen Meinung, der Leugner eines Konsenses sei als Kāfir oder Häretiker (zindīq) anzusehen. Dabei besteht nicht einmal Konsens über die Definition des Begriffes Iǧmāʿ.

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