Das Kalifat, historischer Überblick


Lesewerk Arabisch und Islam

Arab khalīfa, Pl. khulafā’ = „Stellvertreter” oder „Nachfolger“. „Stellvertreter Gottes auf Erden“ nämlich: khalīfat allāh. Manchmal auch genannt: „Stellvertreter/Nachfolger des Propheten“: khalīfat rasūl allāh.
Der Kalif ist idealerweise das Staatsoberhaupt des islamischen Einheitsstaates.
.
Trotz des Einheitsideals haben oft islamische Staaten nebeneinander existiert, wie auch unterschiedliche Kalifen. In der Neuzeit sind islamische Staaten rar geworden. Einige Kalifate waren:

  • Die ersten vier gewählten Kalifen      632–661         Medina (Kūfa)
    Umayyaden                                            661–750         Damaskus
    Abbasiden                                              750–1258       Bagdad
    Umayyadenkalifat in Spanien            756–1031       Córdoba
    Fāṭimiden (schiitisch)                           909–1171  …

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One thought on “Das Kalifat, historischer Überblick

  1. Was ist der Unterschied zwischen einem „islamischen Staat“ und einem „Staat des Islam“? Wodurch zeichnet sich ein „islamischer“ Staat aus? Was ist der Unterschied zwischen einem islamischen Staat und einer islamischen Ordnung? Manche heutige Staaten mit einer muslimischen Mehrheitsbevölkerung nennen sich offiziell „islamisch“, aber sind sie deswegen allein schon „islamisch“? Oder sind sie vielmehr nur „islamisch geprägt“? Warum liegt die Betonung so sehr auf „Staat“, anstatt auf „Ordnung“? Wäre eine islamische Ordnung in einem nichtislamischen Staat möglich? Wie viele und welche Elemente muß eine islamische Ordnung oder ein islamischer Staat umfassen, um als „islamisch“ angesehen werden zu können? Ein wesentlicher Bestandteil einer islamischen Ordnung sind eine islamisch ausgerichtete Wirtschaft und ein islamisches, zinsfreies Finanzsystem. Das Königreich Saudi Arabien behauptet von sich selbst, nach der islamischen Schari´a regiert zu werden, da es jedoch das System von Zinsbanken nicht verbietet, sondern schützt, kann man es da überhaupt als wirklich „islamischen“ Staat ansehen?
    War der erste islamische Staat unter dem Propheten Muḥammad – Allah segne ihn und seine Familie und schenke ihnen Wohlergehen – und dessen vier gewählten Nachfolgern ein Staat nach heutigen Vorstellungen oder mehr ein Gemeinwesen, in dem alle Mitverantwortung tragen? Offensichtlich übernehmen die meisten heutigen Befürworter eines islamischen Staates die Vorstellung von einem modernen mehr oder weniger totalitären Staat und kleben ihr das Etikett „islamisch“ auf. Was dann in der Realisierung dabei herauskommt, ist weniger ein moderner demokratischer und pluralistischer islamischer Staat, sondern mehr eine islami(sti)sche Schreckensherrschaft, wie das im derzeit mit dem in Syrien und im Irak bestehenden sogenannten „Islamischen Staat“ (IS, bzw. Dāʿiš) der Fall zu sein scheint.
    Ist in einem wirklich islamischen Staat überhaupt ein Kalif erforderlich, und falls ein solcher ihn regieren sollte, welche Machtbefugnisse sollte er haben? Sollte er – wie in früheren Zeiten – uneingeschränkt durch weltliche Gesetze oder Institutionen willkürlich über Leben und Tod anderer Menschen entscheiden dürfen, wie in den Erzählungen von Kalifen, die Personen, die aus irgendeinem mehr oder weniger nichtigen Grund ihren Zorn erregt hatten, zum Tode verurteilten und hinrichten ließen oder sie begnadigten und sogar reich beschenkten, wenn sie redegewandt waren und damit den Kalifen beeindrucken konnten? Oder sollte für einen heutigen Kalifen auch das Prinzip der Gewaltentrennung gelten? In einem Entwurf der Verfassung für einen moderen islamischen Staat, dem auch Gelehrte der Azhar-Universität zugestimmt haben, steht, der Kalif solle vom Volk kontrolliert werden, nur ist nicht weiter ausgeführt, auf welche Weise das geschehen soll.
    Hatte Atatürk überhaupt die Befugnis, das Kalifat abzuschaffen? Da der Kalif-Sultan ja das geistliche Oberhaupt aller – oder der meisten – sunnitischen Muslime weltweit war, hätte dies eigentlich nur mit deren Zustimmung geschehen können. Demnach hätte er allenfalls den Sitz des Kalifen in der Türkischen Republik abschaffen können. Aber wohin hätte der Kalif dann gehen sollen, nachdem die meisten muslimischen Länder unter europäischer Kolonialherrschaft standen und die Regierungen der nicht unter Kolonialherrschaft stehenden Gebiete auf der Arabischen Halbinsel (Haschemiten im Hedschaz, Wahhabiten in Nadschd) keinen nichtarabischen Kalifen haben wollten?
    In der Aufzählung der (Pseudo-)Kalifen nach 1924 wird nicht der König von Marokko erwähnt, der sich zumindest in Marokko selbst als „Amīr al-Muʾminīn“ betiteln läßt. Allerdings erhebt er nicht den Anspruch auf das Kalifat, bzw. die Imārat al-Muʾminīn für die sunnitischen Muslime weltweit. Aber vielleicht deshalb ist er unter all den genannten heutigen (Pseudo-)Kalifen bisher am erfolgreichsten. Unter der Herrschaft von Muḥammad VI sind Bemühungen erkennbar, einen gemäßigten traditionellen Islam zu erhalten und zu verbreiten.

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