„Some are Born to sweet delight, some are Born to Endless Night“.

William Blake…

Schon wieder habe ich in einer Zeitung von der sunnitischen IS gelesen. Wer die IS als orthodoxe Sunniten bezeichnet ist einfach nur dumm. Aus der möglichen Identität dieser Terroristen auf eine übliche inhaltliche Affinität zum Sunnitentum zu schließen ist einfach nur vermessen. Die IS hat nichts mit orthodox und mit sunnitisch zu tun wie es viele Menschen verstehen. Es gibt viele sunnitisch und schiitische Gläubige und den Mainstream der überhaupt nichts für diesen Wahnsinn übrig haben. Gleichwohl bedient sich die IS & Co. Mittel und Symbolik aus diesem Bereich und gibt sich den Anschein. Trotzdem liefert die IS, das muß man wohl oder übel zugeben, eine mögliche Interpretation der islamischen Geschichte und des Korans die selektiv und sehr tendenziös ist. Einige Dinge sind aus dem frühen Islam entlehnt, aus einem morbiden anachronistisch universalistischem Verständnis heraus. Insofern hat es mit dem Islam zu tun auch wenn es die kontextualisierend-historische Rezeptionsgeschichte völlig außer Acht lässt. Insofern ist es  nicht identisch mit dem „Islam“ und der breiten Lehre und folglich auch nicht orthodox. Trotzdem bedient es sich Elemente islamischer Praktiken aber ohne ihrem hermeneutisch-rechtlichen Bezugspunkt und diesem Geist entsprechenden geistigen Horizont. Wie in einer Collage werden Dinge vermischt und einfach das Label Kalifat und Scharia aufgesetzt.

Das Ergebnis ist blutrünstiger islamischer Dadaismus in Reinform und eine Form von islamischer Vergesellschaftung, die bei genügender Verbreitung sich zu einer eigenständigen ernstzunehmenden Theologie entwickeln könnte. Noch primitiver als die saudische Variante auf der Halbinsel. Hier entsteht eine Art islamischer Leviathan, eine Mischung von Hells Angels und Mexikanischen Kartellen die in Punkto Einschüchterung, Destruktivität und Mordlust ihresgleichen sucht. Nach hinreichender Dezimierung von „fremden“ Elementen und Abschreckung der Menschen, sichert die IS im Austausch von Freiheit und Demokratie der Bevölkerung Sicherheit zu. Eine ordnungspolitische Vorstellung, in der Tugendterror herrscht.

Ein bestialischer Tugendterror der leider irgendwann sogar Anklag in der Bevölkerung findet weil Opposition und Kriminelle bestialisch hingeschlachtet werden.

Das Schlimme ist das die IS neben dem wahlosen Morden auch ihrem Zugriff entzogene Menschen entmenschlichen, also uns. Ich ertappe mich ständig dabei wie ich vor lauter Wut, Empörung und Rachlust, es der IS vor meinem geistigen Auge heimzahle. Sieg der IS auf ganzer Linie.

Neben der ganzen Diskussin ob Waffen geliefert werden sollen, wird ein wichtiger Aspekt völlig ausgeblendet. Was können wir hier tun? Was gegen Spieltarten des Salafismus hier in Deutschland? Wie können wir verhindern das Jugendliche sich dieser Horde anschließen? Wir müssen neben wichtiger Prävention und nötigen pädagogischen Maßnahmen auch eine Form von Aufmerksamkeit und inner-islamischem Universum entwickeln, das ein Maximum an radikaler Offenheit, Freiheit und Abwesenheit an Bevormundung erlaubt. Also Foren der Wissensvergabe und der Artikulation von (Selbst-) Zweifel, Leiden, Liebe, Freude und Wut. Nur durch diese Integration halten wir junge Muslime (egal ob religiös, säkular, homo, hetero oder was auch immer) ab radikale und extreme Formen der Artikulation aufzusuchen oder in ihre Fänge zu geraten.

Wenn das hoffentliche durchgestanden ist, werden die Muslime wohl eine Post-IS Phase durchmachen müssen wenn sie das alles verarbeiten wollen. Der Islam wird wohl auf die Kautsch müssen.

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