Glaubensinhalte in der Diskussion 2


Islamische Theologie sollte sich nicht nur mit der Ableitung und Kritik von Glaubensinhalten aus den Quellen befassen sondern auch forschen und kritisieren. Michael Kreuz verweist im Transatlantic-forum.org auf eine Leseprobe (aus der Feder von Claude Gilliot) aus einem neuen Band über die islamische Frühgeschichte:

Schon mit dem „Namen“ des Propheten des Islam befinden wir uns in einem synkretistischen Kontext. Es ist fast sicher, dass Muḥammad nicht sein ursprünglicher Name war, sondern nur ein Epithet. Auch der „Name“ Aḥmad (Koran 61,6) ist ein Komparativ/Elativ, den die islamische Tradition für eine Variante von Muḥammad hält; es ist wahrscheinlich eine Formveränderung des persischen Namens Manūḥmēd oder Manvahmēd, einer manichäistischen Form des Vahman der alten iranischen Religion. Diese bezeichnet damit den Intellekt, den Heiligen Geist und den „Lebenden“, der immer wieder in der Reihenfolge der Propheten Mensch wird. Vahman ist nichts anderes als die Seele des Parakleten oder des Propheten. Diese Lehre fußt auf einer judenchristlichen Tradition der alten syrischen Engelchristologie, mit einer „heterodoxen“ Dreiheit (triade), die aus drei Erzengeln besteht, wobei der Paraklet die Reihenfolge oder die Liste der Propheten abschließt. Er ist der Logos Gottes (vgl. das koranische kalimat Allāh), der in der Erscheinung oder in der Gestalt Gabriels durch die Propheten spricht. Er sendet letzten Endes seine Offenbarung durch Manes (Latein; Griechisch: Manes oder Manichaios; Aramäisch: Mānē; Arabisch: Mānī) oder Muḥammad.

Eine mögliche, interessante und doch spekulative Erklärung (meiner Meinung nach auch sehr tendenziös). Wahr ist, dass die Geschichte in der Spätantike aus rein islamischen Quellen nicht zu betrachten ist. Und im Kontext von Etablierung von islamischer Theologie darf die Forschung in diesem neuen Fach nicht zu kurz kommen. Will sie im universitären Kontext standhalten muss sie sich wissenschaftstheoretisch mit anderen Disziplinen messen und dabei wohl so manch heilige Kuh schlachten. Aber möchte sie einen Exklusivstatus, in der sie selektiv darüber entscheidet welche Ergebnisse der Wissenschaft für sie in Frage kommen oder nicht, dann ist die Universität der falsche Ort. Sehr wohl muss sie sich mit den Ergebnissen der Forschung auseinandersetzen und sie hat natürlich das Recht zu kritisieren. Ansonsten kommt die Diskussion um die Wissenschaftlichkeit der „Theologie“ wieder auf und zu recht wird man ihr diesen Status absprechen.

Man könnte ja schon mal anfangen, aktuelle Erzeugnisse der Forschung zur Kenntnis zu nehmen, hier mal eine kleine Auswahl:

Linksammlung zu Kontroversen über den Koran

Angelika Neuwirth über das Corpus Coranicum (16.01.2012)

Eine ungewöhnliche Perspektive des Korans (06.01.2011)

Nicht immer nur das Fremde am Koran sehen. Die Arabistin Angelika Neuwirth über das heilige Buch der Muslime (04.12.2010)

„Mose wird das große Vorbild für Mohammed“ (17.11.2010)

„Der Koran ist auch ein europäischer Text“ (23.10.2010)

Wie viel Wahrheit steckt im geheimnisvollen Koran? (10.03.2010)

Wie ein Glaube entsteht – Angelika Neuwirth (21.10.2008)

Hat Mohammed wirklich gelebt? (17.09.2008)

Der Koran – europäisch gelesen (29.03.2008)

Corpus Coranicum (17.01.2008)

Koran, aber im Kontext – Eine Replik (06.11.2007)

Die Klimaforscher des Korans (01.11.2007)

Dimensionen des Koran (21.09.2007)

Interview Angelika Neuwirth: „Der Koran – ein Buch in vielen Sprachen“ (2007)

Interview mit Michael Marx

“Corpus Coranicum” Projesi ve Biz?

Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang – Angelika Neuwirth

One thought on “Glaubensinhalte in der Diskussion 2

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