Das religiöse Diskurse und Debatten zu islamischen Glaubensaspekten nicht reines und zwingendes Ergebniss religiösen Quellen sind, ist sehr gut am Beitrag von Akif sehen. Ein klassisches Thema: Werden auch Nicht-Muslime ins Paradies gehen? Das ist übrigens kein islamspezifisches Thema. In anderen Religionen dürfte es ähnliche Diskussionen geben.

Diese Frage lässt sich wohl in einer weitergehend homogenen Gesellschaft, sei es nun islamisch oder christlich, wohl anders beantworten als z. B in Deutschland. Das Glaubensgrundsätze und Inhalte reine Ableitungen aus islamischen Quellen sind, dürfte wohl keiner mehr so recht glauben. Die Kontextgebundenheit durch Raum und Zeit spielt hier eine größere Rolle als man denkt. Hinter ihnen verstecken sich neben Ableitungen aus Koran und Sunna auch eine große Portion  Legitimation von Herrschaftsansprüchen und Entscheidungen. Wir haben heute das islamische Erbe in fertiger (!) Form vor uns. Wie es dazu gekommen ist blenden wir gerne aus. Was auch verständlich ist. Ob Nicht-muslime ins Paradies kommen ist so ein Beispiel. Scheinbar eine reine Sache von Aussagen des Korans und der Sunna. Scheinbar.

Kommen Nicht-Muslime ins Paradies? Akif beantwortet für sich die Frage aufgrund des Korans und kommt zu einer Feststellung, die wohl viele Muslime teilen. Es ist nicht falsch zu sagen, es dürfte wohl eine Mehrheitsmeinung sein, auch unter Gelehrten. Im Kommentarbereich antwortet Hakan auf diese Perspektive mit einer eigenen Einschätzung, die die vorhandenen Koranverse reflektiert und Schlußfolgernen ableitet, die sich von besagter Mehrheitsmeinung unterscheidet. Sein Kommentar ist nochmals als eigener Beitrag auf seinem Blog verlinkt.

Es ist der erste Teil einer Serie von Beiträgen zu diesem Thema und ist sehr lesenswert. Würde man sich diesem Thema stellen, wenn wir nicht in einer pluralen Gesellschaft leben würden? Die Formulation von Grundsätzen und die Auseinandersetzung mit klassischen Themen sagt doch mehr über uns aus als über die besagten Inhalte. Es steckt mehr von uns drin, als wir wahrhaben wollen. Schriften lassen sich so oder so auslegen. Womit ich hier keine Willkürlichkeit meine, sondern das Bedürfnis nach Klärung unter dem Eindruck des Zeitgeistes und des Kontextes. Ausnahmslos alles ist diesen Faktoren unterworfen, auch die Gelehrtenmeinungen, denen gerne mal ein göttlicher Stempel aufgedrückt wird. Leider gibt es immer noch das Makel, zwischen Geltung und Genese nicht zu unterscheide, es zu verwechseln und somit Missverständnissen das Wort zu reden. Auf allenen Ebenen des Gesprächs zwischen Muslimen, zwischen Muslimen und Nicht-muslimen begegnet man diesem Makel. Übrigens auch im wissenschaftlichen Diskurs.

Im Grunde sind die meisten hoch theologischen Themen, die sehr abstrakt erscheinen oft auch nur Antworten und Legitimationen einer gesellschaftlichen und politischen Situation. Ob es nun um das Gottesbild, Vorherbestimmung, Willensfreiheit oder den sechs elementaren Glaubensgrundsätzen geht, all diese Formulierungen verstecken in sich das Verhältnis von Gläubiger und Herrscher in der islamischen Frühzeit und formulieren es als zeitloses Gefüge eines Glaubenssystems. Die Zeiten ändern sich, aber die Lehrsätze bleiben und daher erscheinen sie uns unhinterfragbar und zwingend. Das das nicht so ist zeigt uns die Debatte in Akifs Blog. Mehr davon 🙂

Islam-Blogger: Werden Nicht-Muslime ins Paradies eingehen?

Hakan Turan: Kommen Nichtmuslime in die Hölle. Religionskriterium als Heilskriterium (1)