Hätte sie nicht….hätte er nicht. Zum Mord von Marwa al-Sherbini


Thomas von der Osten-Sacken meint in seinem Artikel in der Jungle-World:

Hätte Marwa al-Sherbini kein Kopftuch getragen, wäre sie etwa eine säkular ausgerichtete Migrantin aus Ägypten gewesen – kein Mensch hätte den Vorwurf der Islamophobie erhoben. Weil sie ein Kopftuch trug, ist sie zur »Märtyrerin« erhoben worden, und – zwischen Berlin und Teheran ist man sich einig – das Messer, das sie tödlich traf, galt dem Islam, nicht ihrer Person.

Hätte Marwa al-Sherbini kein Kopftuch getragen, wäre sie etwa eine säkular ausgerichtete Migrantin aus Ägypten gewesen, würde sie wohl noch leben!

Alles andere im Blog von Omar

7 thoughts on “Hätte sie nicht….hätte er nicht. Zum Mord von Marwa al-Sherbini

  1. Hier auch ein sehr zynischer Leserbrief aus der FAZ der letzten Woche. Der Leser Stöckel hat wohl nicht mitbekommen, dass in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa sehr wohl Menschen gegen die Entführung und Tötung der Geiseln demonstriert haben. Dass auch eine Süd-Koreanerin zu den drei Opfern gehörte, wird von Leser Stöckel gar nicht erwähnt…

    FAZ 17.07. 2009

    S. 7

    Politik, Briefe an die Herausgeber

    Dann lieber ein Muslim

    Zu „Trauerfeier für getötete Ägypterin“ (F.A.Z. vom 11. Juli): Wenn es um Solidarität und Solidarisierung untereinander geht, verhalten sich die islamischen Gesellschaften und Medien völlig anders als die westlichen. Wenn, wie in diesem Fall, eine Frau islamischen Glaubens in Deutschland von einem Verrückten niedergestochen wird, gibt es einen Aufschrei, Demonstrationen und Proteste auch auf höchster Regierungsebene. Wenn aber, wie kürzlich im Jemen, zwei Deutsche Bibelschülerinnen, die im humanitären Einsatz im Krankenhaus gearbeitet haben, von Islamisten entführt und exekutiert werden, gibt es weder einen Aufschrei noch Demonstrationen noch Proteste. Stattdessen läuft das Echo in den Medien und in der Gesellschaft hierzulande mehr in Richtung: „Selber daran schuld, was suchen sie dort, ist doch verständlich, wenn die Einheimischen sauer sind über die angebliche Missionstätigkeit“, und so weiter. Sollte mir in der Fremde aufgrund meiner Religion und Hautfarbe etwas zustoßen, dann möchte ich lieber ein Muslim sein.

    CONSTANTIN STÖCKEL, HAMMERSBACH

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  2. Es ist mir unheimlich, welche Islamfeindlichkeit zur Zeit in den Medien und der Öffentlichkeit herrscht. Nicht mal ein Mord hält die Menschen zurück ihre Ressentiments abzulegen.

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  3. Hätte Marwa al-Sherbini kein Kopftuch getragen, wäre sie etwa eine säkular ausgerichtete Migrantin aus Ägypten gewesen, würde sie wohl noch leben!

    @ Serdar

    Ich möchte nicht bestreiten, dass der Mörder aus einem islamfeindlichen Motiv heraus gehandelt hat.

    Dennoch halte ich es für eher wahrscheinlich, dass er bei jeder anderen Frau, der man eine nicht-europäische Abstammung ansehen kann oder einer Frau, die einen Davidstern um den Hals trägt, genauso gehandelt hätte.

    Islamfeindlichkeit und allgemeiner Fremdenhass bzw. „Fremden“hass schließen sich zumal bei Personen, die sich zur NPD bekennen, eben nicht aus.

    Thomas von der Osten-Sacken kann man dafür kritisieren, dass er allgemein offenbar nicht die Existenz einer spezifischen Islamfeindlichkeit erkennen will, mit seiner Diagnose weiter oben hat er dennoch wahrscheinlich recht.

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  4. @N.Neumann
    Dennoch halte ich es für eher wahrscheinlich, dass er bei jeder anderen Frau, der man eine nicht-europäische Abstammung ansehen kann oder einer Frau, die einen Davidstern um den Hals trägt, genauso gehandelt hätte.
    Da ist was dran. Aber diese Behauptung kann man auf die Probe stellen. Als ein Rabbiner hier in Frankfurt angegriffen worden ist, hat man nicht so argumentiert, es war Antisemitismus hieß es. Die Tatsache, das man einen Juden angreift ist schon Antisemitismus, nicht ob die Intention des Täters wirklich so ist. Oder stellen wir uns vor, ne Jüdin wäre anstelle von Marwa auf die gleiche Weise zu Tode gekommen.
    Hätte von der Osten-Sacken dann auch so nüchtern(!) geschrieben?

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  5. Als ein Rabbiner hier in Frankfurt angegriffen worden ist, hat man nicht so argumentiert, es war Antisemitismus hieß es.

    War es keiner?

    Die Tatsache, das man einen Juden angreift ist schon Antisemitismus, nicht ob die Intention des Täters wirklich so ist.

    Um diese Behauptung zu untermauern, müsstest du eine Reihe von Fällen aufzählen können, in denen a) Juden beraubt wurden oder in eine Schlägerei gerieten und b) daraus Antisemitismus gemacht wurde.

    Das a) gelegentlich vorkommt, kann anbetracht von ca. 100.000 deutschen Juden als sicher gelten.

    Oder stellen wir uns vor, ne Jüdin wäre anstelle von Marwa auf die gleiche Weise zu Tode gekommen. Hätte von der Osten-Sacken dann auch so nüchtern(!) geschrieben?

    Ich gehe fest davon aus, dass Thomas von der Osten-Sacken sich nicht darüber gewundert hätte, wenn ein Täter mit Nazi-Gesinnung, dazu noch in Ostdeutschland, eine Jüdin ermordet hätte.

    Und ich vermute, dass du dich zum Teil auch deshalb über Thomas von der Osten-Sacken ärgerst, weil er – ungeachtet der Tatsache, dass er allgemein offenbar keine spezifische Islamfeindlichkeit sehen will – mit seiner oben zitierten Diagnose im Prinzip recht hat: Hätte Marwa S. kein Kopftuch getragen, wäre die mediale Resonanz über die Mordtat geringer ausgefallen. Die Ermordung einer Ägypterin ohne Kopftuch durch einen Täter mit Nazi-Gesinnung hätte (national wie international) bei unterschiedlichen Vertretern des politischen Islam sowie Leuten wie Hilal Sezgin und Sabine Schiffer* zumindest weniger Betroffenheit bzw. Protest bewirkt. Es ist bekanntlich mitnichten so, dass Kopftücher allein politische und/oder religiöse Fetische von Personen mit einer spezifisch islamfeindlichen Einstellung sind.

    Die Frage, ob der Täter aus einer spezifischen Islamfeindlichkeit oder aus einem für die meisten Personen mit Nazi-Gesinnung relativ unterschiedslosen Fremdenfeindlichkeit heraus gehandelt hat, hätte sich ohne Kopftuch mindestens weniger gestellt.

    * Das ideologische Elend der beiden Letztgenannten bildet für mich übrigens genauso wenig wie der praktische und ideologische Furor von Islamisten ein Grund dafür, die Existenz einer spezifischen Islamfeindlichkeit nicht zur Kenntnis zu nehmen.

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  6. @N.Neumann
    Ich habe die Berichterstattung leider nicht sehr intensiv verfolgt, was den Rabbiner betrifft. Welche Gründe der Täter hatte, konnte ich so nicht erfahren. War wohl antisemitisch eingestellt. Aber darum ging es mir ja nicht.

    Ich denke, die Frage stellt sich schon bei vielen Fällen des Antisemitismus. Denn ich negiere hier einfach mal die „Ausschließlichkeit“, die mit dem Begriff gemeint ist. Ich kann mir gut vorstellen, das der Russe auch eine Jüdin angegriffen hätte. Braucht es dazu Antisemitismus strenggenommen? Aus einer rassistischen Einstellung wird man wohl jeden angreifen.

    Anhand der Begriff kannst du ja heute sehen, wer sich um sie gruppiert. Es ist tragisch, das es schon fast den Eindruck einer Anhängerschaft von einer Fußballmannschaft gleicht. Sag mir dein „Ressentiment“, ich sag dir wer du bist. Entweder Muslim, Berufspalästinenser, oder Israel-Nationalist, Antideutscher usw.

    Im Grund geht bei solchen Diskussionen (im WWW kann man sie ja gut verfolgen) eben nur noch darum, wer Recht hat und welcher Begriff (samt Bedeutungsinhalt) der wahre ist?

    Mir ist es nicht entgangen, was die Salafisten (u.a Pierre Vogel) in Deutschland aus dem Mord gemacht haben. Für sie war es nur ein Anlaß und ich denke das wurde von Muslimen in Deutschland auch gut erkannt um es zu kritisieren.

    Ich gehe fest davon aus, dass Thomas von der Osten-Sacken sich nicht darüber gewundert hätte, wenn ein Täter mit Nazi-Gesinnung, dazu noch in Ostdeutschland, eine Jüdin ermordet hätte

    Mich hätte das auch nicht gewundert, nur würde er nicht von Rassismus sprechen, sondern bei ihm würden die Glocken läuten. Versteh mich nicht falsch, ich finde es ja gut, das man sensibel reagiert. Ich habe nur persönlich den Eindruck, als ist der Mord von Marwa etwas „Banales“ ist für viele.

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  7. Ich denke, die Frage stellt sich schon bei vielen Fällen des Antisemitismus.

    Wenn sich diese Frage, so wie du sagst, bei vielen Fällen stellt, müsstest du wenigstens ein paar Fälle benennen können.

    Wohlgemerkt: Wir reden über politisch motivierte Gewalttaten, nicht darüber, welche öffentliche Person oder Äußerung antisemitisch ist oder nicht.

    Mich hätte das auch nicht gewundert, nur würde er nicht von Rassismus sprechen, sondern bei ihm würden die Glocken läuten.

    Ich denke, das ist nicht ganz fair: Es dürfte erstens schwer zu bestreiten sein, dass Juden auf der Hass-Skala von landläufigen Neonazis noch vor Muslimen rangieren, und zweitens wäre ich mir nicht sicher, dass Thomas von der Osten-Sacken in diesem hypothetischen Fall auf das Wort Rassismus verzichtet hätte.

    Ich habe nur persönlich den Eindruck, als ist der Mord von Marwa etwas “Banales” ist für viele.

    Ich nehme mal an, dass du meinst, dass du den Eindruck hast, dass der Mord für viele etwas „Banales“ wäre.

    Damit liegst du in gewisser Weise richtig. Das liegt bei vielen jedoch nicht in einem Mangel an Empathie begründet, sondern in dem Umstand, dass sie diese Tat in die Reihe von neonazistischen Morden der jüngeren Vergangenheit stellen.

    „Neu“ an dem Mord ist die Einzeltäterschaft sowie die besonders berechnende und brutale Tatausführung – nicht dass ein Täter mit Nazi-Gesinnung in Ostdeutschland einen Menschen nicht-deutscher Herkunft ermordet.

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