Deutsche Islamkonferenz und der Weg zur Innerlichkeit


Wolf D. Ahmed Aries über die DIK und warum es uns an so machen Dingen mangelt:

Muslime haben zu keiner Zeit ihrer Geistesgeschichte die Neigung zu einer Hierarchie entwickelt, wozu sie mindestens zweimal die Gelegenheit gehabt hätten: Zum einen nach der Entscheidung in Siffin, als Mu’awija die Macht eines (politischen) Herrschers übernahm, und zum anderen als die türkische Nationalversammlung das Khalifat abschaffte. Der kemalistische Weg in den Staatsislam hatte auch nicht die Konsequenz, dass eine Institution mit verbindlicher Lehrautorität entstand, wenn auch manche davon träumen mögen, dass die DIYANET eine Art Vatikan werden möge. Und manche Europäer meinen, einem nationalen Mufti die gleiche Stellung zuschreiben zu können wie einem christlichen Patriarchen oder dem Papst.

Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit, die Friedrich Wilhelm Graf in seinem Eröffnungsvortrag im März dieses Jahres in München herausarbeitete: Die Muslime haben in ihrer Geistesgeschichte nicht die gleiche Entwicklung wie der Protestantismus des 19. Jahrhundertes durchlaufen: den Weg in die Innerlichkeit. Sie blieben und sind Orthopraktiker. Ihre Diskussionen und Fatwas drehen sich um das Rechte von der Absicht des Handelnden geleitete Verhalten des Gläubigen. Die Theologie, Kalam, spielt im Alltag der Muslime eine nachgeordnete Rolle. Die Tagesordnung der DIK nannte wichtigere Themen: den Schwimmunterricht, die innere Sicherheit, den Religionsunterricht, den Ansprechpartner, die Höhe der Minarette etc.

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