Literatur für Islam Lehrstühle


Während es schon Schulbücher (hier und hier) für den islamischen Religionsunterricht gibt, kann man das für Islam-Lehrstühle nicht behaupten. Warum sollte es überhaupt sowas geben? Diese Frage stelle ich mir schon seit einiger Zeit. Erst als ich heute die Rezension von Kathrin Klausing in der Islamischen Zeitung über die neue Einführung von Peter Heine gelesen hatte, besteht konkreter Handlungsbedarf für mich. Aber es gibt doch eine immense islamwissenschaftliche Literatur, reicht die nicht? Um nicht falsch verstanden zu werden, ich selber nutze diese im Unterricht in der Uni und schätze es auch. Vieles von dem ist sehr gut verwertbar, und überhaupt stellen sie einen bestimmten Stand der Wissenschaft dar, den es zu beachten gilt. Und ganz ehrlich, manchmal sind die etwas nüchtern geschriebenen islamwissenschaftlichen Texte oft besser als welche aus muslimischer Hand, die man sich oft einfach runterladen kann. Also zumindest sollte es auch für Islam-Lehrstühle wichtig sein, diese schon vorhandene Literatur zu kennen.

Und trotzdem bedarf es meiner Meinung nach Bücher, Sammelwerke und Einführungen, die nicht dezidiert islamwissenschaftlich sein oder darüberhinausgehen sollten. Eine islam-theologische Literatur eben. Ich muss dazu sagen, das so eine Literatur sich von Beispielen aus der Türkei und anderen islamischen Ländern unterscheiden wird. Es nützt also nichts, einfach Literatur aus anderen Ländern zu kopieren, auch wenn es in Einzelfällen nichts dagegen spricht. Wie kann konkret so ein Bedarf in Deutschland abgedeckt werden? Oft entstehen aus Manuskripten oder Readern Bücher. Wer kennt das nicht? Man stellt sich oft einen Ordner voller Texte zusammen, der im Seminar abgearbeitet wird und sich bewährt. Bestimmte Manuskripte oder Reader erweisen sich sehr nützlich, man überarbeitet sie immer wieder oder fügt ihnen neue Sachen hinzu. Aus so einer Praxis können dann Bücher entstehen. Für die Islam-Ausbildung an Unis ist es notwendig neben der islamwissenschaftlichen/orientalistischen Literatur, welche aus islamischer Sicht (die natürlich auch nicht homogen ist) anzubieten. Konkret habe ich manchmal Probleme geeignete Texte und Literatur für Erstsemester zu finden, dazu noch auf Deutsch. Es kursieren im Internet viele islamische Texte auf Deutsch, aber nicht sehr wissenschaftlich aufgearbeitet und ungeeignet für ein Seminar in der Uni, weil sie sehr tendenziös oder ideologisch verzerrt sind. Sie entsprechen oft kaum formaler und inhaltlichen Kritierien wissenschaftlichen Arbeitens.

Ich selber spiele mit dem Gedanken eine Einführung in die Themen Hadith oder/und Koran zu erstellen. Das kann als Sammelband konzipiert werden oder als eigenständiges Buch. Und durchaus kann der ein oder andere Text aus islamwissenschaftlicher Sicht enthalten sein. Es gibt sehr gute Texte, die doch manchmal besser sind als jede andere muslimische Einführung.  Der Stand der islamwissenschaftlichen Literatur sollte abgebildet aber auch eigene Akzente gesetzt werden.  Wenn der ein oder ander islamischer Wissenschaftler mir Literatur (auf Deutsch) empfehlen möchte (besonders zum Thema Hadith(wissenschaft)), kanns mir ja mitteilen🙂

Und überhaupt die ein oder andere Meinung dazu würde mich schon interessieren.

4 thoughts on “Literatur für Islam Lehrstühle

  1. Hört sich gut an. Dieser Schritt wird wohl zwangsläufig kommen müssen. Ihr publiziert mir derzeit sowieso zu wenig😉. Lasst Euch von der Lehre nicht die Forschung auffressen (natürlich auch nicht umgekehrt).

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  2. Du hast recht. Wir machen ziemlich viel, aber es wird auch was veröffentlicht. Die Lehre und die ganze Verwaltungsaufgaben sind schon stressig, aber wir werden schon gute Ergebnisse liefern🙂

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  3. Gerade bei Hadith fände ich es schon wichtig, die Methoden der neueren westlichen Hadithwissenschaft einzubeziehen (isnad-cum-matn-Analyse), die m.W. mittlerweile auch im Curriculum der Ilahiyyat-Fakultät in Ankara auftauchen, weil sie einfach einen echten Mehrwert für den Umgang mit Hadithen bringen, ohne gleich das ganze Material als unhistorisch zu verdammen.

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  4. @Johanna
    Ja das finde ich auch, und das wird ja auch gemacht. Es gibt ja auch ein Haufen Übersetzungen ins Türkische. Ich bin da ganz zuversichtlich, das das auch langsam Eingang findet.
    Der Vorteil in Deutschland dürfte die ganze orientalistische Literatur sein. Man hat unmittelbar Zugriff auf sie. Ich denke sie wird unerlässlich sein, falls eine islamische Theologie entstehen sollte. Ich glaube überhaupt das der Charakter einer solchen hier ganz anders sein wird als in arabischen Ländern oder der Türkei. Da werden bestimmt vermehrt kulturwissenschaftliche und religionswissenschaftliche Elemente stark einfließen. Wenn man bedenkt wie sehr diese Theologie institutionelle durch andere Fächer eingebunden sein wird, ist das auch kein Wunder und sehr zu begrüßen.

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