Als der Mufti zweimal klingelt


Wie sehr eine Klärung von theologischen Begriffen nötig ist, zeigt der aktuelle Fall. Obermufti Mustafa Ceric aus Bosnien hat für eine CDU-nahe Publikation einen Aufsatz verfasst. Weil er darin die Scharia für unverhandelbar erklärt, schlugen die Wellen hoch. Ein hochtheologischer Aufsatz, sollte man meinen, braucht auch dementsprechend Aufmerksamkeit. Ihre Begriffe sind dem alltäglichen und politischen Gebrauch nichte sehr ähnlich. Und doch wundert es mich natürlich nicht, dass bei einigen der Speichel fließt, weil sie hier einen Skandal wittern über den sie sich auslassen können. Mir bestätigt es noch einmal, das wir hier in Deutschland eindeutig islamisch-theologische Lehrstühle brauchen.

Um näheres über diese Diskussion zu erfahren empfehle ich folgende Beiträge:

9 thoughts on “Als der Mufti zweimal klingelt

  1. Hallo Serdar,

    erstmal herzlichen Glückwunsch für Deinen neuen Blog. Hoffe, wir bekommen hier öfters etwas zu lesen.

    Zu Deinem Beitrag: Du hast recht, wir brauchen hier eindeutig islamisch-theologische Lehrstühle. Das wird aber leider nicht bedeuten, dass es solche Diskussionen dann nicht geben wird. Ihr werdet in Frankfurt sicherlich häufiger mit solchen Problemen zu kämpfen haben, sobald sich die Publikationszahl erhöht und die Arbeit dort sichtbarer wird.

    Aber ich denke, dass man sich davon nicht einschüchtern lassen darf.

    Wünsch dir noch einmal viel Spaß mit Deinem Blog.

    Wesselam

    Abdulgani Engin Karahan

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  2. Gibt’s doch, z.B. ->hier.
    Aber ihr meint sicher obermufti-hörige islamische Theologie statt irgendwelcher westlich angehauchter kritischer, ähnlich wie die vom Papst besetzten Lehrstühle in katholischer Theologie, die ja an sämtlichen islamischen Universitäten in der arabischen Welt existieren, oder?

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  3. @Engin Karahan
    Danke für die netten Worte. Du hast recht, es wird in Zukunft mehr solche Diskussionen geben. Ich finde das gar nich mal so schlimm, zu mal man sich dann auch mit der eigenen Tradition auseinandersetzen müssen.

    @Gilbert
    Es gibt eine Menge westlich angehauchter kritischer Theologen. Auch die werden nicht umhin kommen „Scharia“ als theologischen Begriff zu benutzen.
    Aber was verstehen sie denn unter „westlich angehaucht“?

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  4. @Serdar: Wie wäre es mit solchen, die die Religion unter Berücksichtigung von Zeit und Ort interpretieren und nicht, wie der Obermufti (im Deutschen übrigends traditionell nicht gerade eine positive Bezeichnung, wie du vielleicht weißt), direkt mit Vokabeln wie „nicht diskutierbar“, „unauflösbar“ usw. um sich werfen. Wie wäre es mit einem Islam, der sich einen islamischen Drewermann oder Deschner leistet? Das Christentum hält so was aus. Der Islam auch?

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  5. @Gilbert
    Ich habe auch nichts gegen Bestrebungen, religiöse Texte unter Berücksichtigung von Zeit und Ort zu interpretieren. Sogar die klassische Koranexegetik macht eigentlich nichts anders. Ich schreibe meine Doktorarbeit über jemanden, der das getan hat. Und das wird auch heute noch gemacht. Das wird nur nicht so registriert, weil es keinen Sensationseffekt hat.
    Und ich denke auch das der Islam sich solche Kritiker wie du sie aufzählst auch leisten kann. Ehrlich gesagt, ist die ganze islamische Geschichte voll damit.

    Das der Begriff Obermufti im Deutschen nicht gerade eine positive Bezeichnung ist, ist für mich erstmal egal. Das das Wort „Jude“ für viele Deutsche auch ein Schimpfwort ist, ist ihr Problem.

    Was du mit Drewermann oder Deschner meinst, hat erstmal mit Textinterpretation, als Zeit und Ort gar nichts zu tun. Deschner ist Religionskritiker, er leht die Religion ab, also auch die Metaphysik dahinter.

    Ich schreibe orthodoxen oder liberalen Juden auch nicht vor, ihren „Bund mit Gott“ aufzugeben um ihnen eine fortschrittliche Gesinnung zu attestieren. Ceric spricht über eine bestimmte Onthologie, die man teilen kann oder auch nicht. Das hat keine Einfluss darauf wie man texte historisch auslegt. Und Mustafa Ceric gehört zum liberalen Lager, wenn du Texte von ihm lesen würdest, die sich mit bestimmten hermeneutischen Fragen der Auslegung und des islamsichen Rechts beschäftigen.

    Ich selber bin für eine wissenschaftliche Forschung, die sich keine Grenzen auferlegt, solange man menschliche Standarts wie Sachlichkeit, Höflichkeit und Fairness bewahrt. Dann kann man auch hart in der Sache sein. Dagegen hab ich nichts.
    Auch im gesellschaftlichen bin ich dafür, zum Beispiel wäre ich dafür, das der § 166 StGB, also Gotteslästerungsparagraphe, abgeschafft wird.

    Ich halte nichts von Konformismus, was sowohl islamische Themen betrifft, als auch islamkritische nur um mich als Alibi-Moslem für islamfeindliche Zwecke einzuspannen. Daher ist es mir erstmal egal, welche Mehrheit wie über bestimmte Begriff denkt oder sie bewertet.

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  6. Und ich denke auch das der Islam sich solche Kritiker wie du sie aufzählst auch leisten kann. Ehrlich gesagt, ist die ganze islamische Geschichte voll damit.

    Aha .. und wie verträgt sich das mit jeder Menge Todesurteile gegen Muslime und Nichtmuslime wegen „Islamkritik“ usw.? Besonders interessant wird das, wenn irgendein Nichtmuslim mit genügender Lautstärke verkündet „der und der hat die und die Tat im Namen des Islam begangen“. Da gibt’s dann schon mal eine Todes-Fatwa wegen Beleidigung des Islam. Wohlgemerkt: keiner behauptet, der Täter habe das nicht gesagt oder eine solche Handlung sei im Islam nicht vorgesehen. Alleine die Nennung von Fakten scheint nicht selten auf eine todeswürdige Beleidigung hinauszulaufen.

    Wenn ich das in Verbindung mit §166 StGB bringe, wäre der Nutzen der Abschaffung doch wohl ziemlich einseitig, oder? Muslime könnten dann völlig frei über Nichtmuslime lästern, während im Gegenzug immer noch Todes-Fatwas aufgrund der „nicht verhandelbaren“ Scharia verhängt werden können.

    Und komm‘ bitte nicht mit dem Argument, das seien alles Gemeinplätze. Ich habe wenig Lust, hier die vielen Einzelfälle zu diskutieren. Erkläre lieber, warum es in keinem Fall bislang Gegenfatwas gegeben hat. Deren öffentlichkeitswirksame Verbreitung wäre doch gerade das, auf das viele Nichtmuslime hier warten, und wäre in den Medien auch sehr groß aufgemacht worden.

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  7. Serdar,

    Du schreibst: „Und Mustafa Ceric gehört zum liberalen Lager, wenn du Texte von ihm lesen würdest, die sich mit bestimmten hermeneutischen Fragen der Auslegung und des islamsichen Rechts beschäftigen.“

    Inwiefern ist Ceric „liberal“? Ich bin mir nicht sicher, ob man zwangsläufig dadurch liberal wird, dass man in den USA studiert hat und somit seine Gedanken in westliche Begrifflichkeiten fassen kann.

    Ich stimme übrigens zu, dass Ceric „Scharia“ nicht im Sinne von „handabhacken und steinigen“ verwendet. Aber die Installation eines europäischen Imams, wie er sie fordert, ist mir doch suspekt. An wen denkt er wohl bei der Besetzung dieses Amtes?

    Die Sache ist mir auch theoretisch suspekt. Ich finde es doch gerade gut, dass der Islam zumindest theoretisch keinen Klerus kennt, und finde eigentlich, dass diese Tatsache in verbindung mit dem selbstbestimmten Individuum im Kantschen Sinne ein großes Potential hat. Wenn wir eben nicht eine Zentralinstanz haben, die Häretiker verdammt, sondern eine kreative Ideenvielfalt und das Gewissen des Individuums als Maßstab, dann kann der Islam endlich seine Dynamik zurückgewinnen.

    Natürlich stellt sich auch die Frage, wie das Verhältnis zwischen europäischem „Zentralimamat“ und staatlichen Institutionen wäre. Läuft die Sache auf eine kommunitäre Sonderrolle der Muslime in Europa hinaus, quasi ein umgekehrtes osmanisches Milletsystem?

    Übrigens noch zwei Beispiele für die „liberalen“ Positionen des Herrn Ceric: Er sieht Kopftuch als Pflicht an und Mohammed ibn Abdulwahab als ernstzunehmenden Gelehrten.

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  8. Vielleicht mag ich meine Wenigkeit auch als etwas „liberal“, oder „modern“ ansehen, da ich mich bspw. den Meinungen anschließe, daß die Steinigung als Strafe für Ehebruch durch die im Koran erwähnten hundert Hiebe ersetzt worden ist, daß für den bloßen Abfall vom Islam keine weltliche Strafe vorgesehen ist, daß kein Mahdi kommen wird, sondern diese Person ein bloßes Hirngespinst ist, daß Bukharis Sahih-Sammlung auch Überlieferungen enthält, die nicht als authentisch auf den Propheten – Allah segne ihn und gebe ihm Wohlbehaltensein – angesehen werden müssen usw., aber ich stimme völlig darin überein, daß die Schari´a nicht verhandelbar ist, da sie das äußere Gebäude des Islams darstellt, ohne das es keinen Islam gibt.
    Bei den Christen hat bereits der „Lügenapostel“ Paulus die Schari´a ihrer Religion größtenteils abgeschafft, und den Rest hat hat eine falsch verstandene Aufklärung und Säkularisierung besorgt. Daher trifft auf die heutigen westlichen Christen größtenteils die Beschreibung des Korans zu, daß sie „in die Irre gehen“. Muslime, die sich ihnen in solch wesentlichen, ihre Religion betreffenden Dingen anschließen, gehen ebenfalls in die Irre.

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